GeriNoVe – ein neues Angebot zur geriatrischen Notfallversorgung

Meckenbeuren – Bei „Medizin am Gleis“, der Veranstaltungsreihe des Medizin Campus Bodensee (MCB) in Meckenbeuren, stand das Thema „Altern in unserer Gesellschaft“ im Mittelpunkt. Im Juli eröffnet in Weingarten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Krankenhaus 14 Nothelfer eine Station zur geriatrischen Notfallversorgung – kurz GeriNoVe.

Gesamtprojektleiterin Ingrid Jörg vom MCB, Prof. Dr. Maik Winter von der Hochschule Ravensburg-Weingarten und Dr.  Jürgen Kolb, Chefarzt der Liebenau Kliniken, stellten das neue Angebot vor.

Bis 2050 werden mindestens 4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein. Eine besonders hohe Lebenserwartung haben die Menschen im Bodenseekreis. So wird bei den 65- bis 79-Jährigen bis 2030 ein Zuwachs von 27,7 Prozent und bei Personen ab 80 Jahren sogar ein Zuwachs von 78,7 Prozent erwartet. „Das ist das höchste Wachstum in dieser Bevölkerungsgruppe in ganz Baden-Württemberg“, weiß Prof. Dr. Winter, dessen Lehrstuhl das Projekt begleitet und evaluiert. Die Gründe liegen im anhaltenden Zuzug in die Region und auch am höheren Wohlstand im Vergleich zu anderen Bundesländern. Prof. Dr. Winter unterstich, wie wichtig neuartige Konzepte wie GeriNoVe sind. „Unser Gesundheitssystem ist auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft leider nicht gut vorbereitet und wir können auf keine Rezepte zurückgreifen.“ Aktuell sei das Krankenhaus im Notfall die zentrale Anlaufstelle. „Aber es ist nicht immer die beste.“

Versorgungslücke für ältere Menschen schließen

GeriNoVe als neue Versorgungsform für geriatrische Patienten stellte Ingrid Jörg vor, die auch die Klinik Tettnang und das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten leitet. „Damit wollen wir unnötige Krankenhausaufenthalte und Drehtüreffekte vermeiden und eine Versorgungslücke schließen“, erläutert sie. Ein weiteres Ziel sei die Vernetzung mit ambulanten und stationären Akteure. Die pflegerisch geleitete Station mit 18 Betten verfolge das Ziel, die Patienten entweder zurück in ihr gewohntes Umfeld zur bringen oder die passende Wohn- und Lebensform für sie zu finden. „Unser Ziel ist, die Selbstständigkeit möglichst zu erhalten“, betont Ingrid Jörg. Ausgegangen werde aktuell von einer durchschnittlichen Verweildauer von fünf Tagen. „Für manche Patienten findet das multiprofessionelle Team mit Pflegekräften, Sozialarbeitern, Case-Managern und Fachärzten innerhalb von 24 Stunden eine Lösung, andere werden länger da sein.“

Ein Gewinn für geriatrische Patienten

Aus ärztlicher Sicht bescheinigt Dr. Jürgen Kolb GeriNoVe sehr gute Chancen. „Es wird keinem Leistungsträger etwas weggenommen und es entsteht keine Mehrarbeit für Hausärzte, eher weniger“, ist er sich sicher. Er sehe GeriNoVe als Gewinn für geriatrische Patienten und ihr soziales Umfeld. Anlass für die Aufnahme sei eine Notfallsituation. Dann gehe es aber darum die Patienten wieder zu mobilisieren, zurück in ihre gewohnte Umgebung zu bringen oder flankierende Maßnahmen wie Reha, Kurzzeitpflege oder ambulante Pflege in die Wege zu leiten. Sicher werde es auch Fälle geben, bei denen der Umzug in ein Pflegeheim die beste Lösung für den Betroffenen sei.

Tag der offenen Tür am 29. Juni

Das auf drei Jahre angelegte Projekt GeriNoVe wird durch den Innovationsausschuss des gemeinsamen Bundesausschusses gefördert, so dass für Leistungsempfänger und Kostenträger während des Projektzeitraums keine Kosten entstehen. Projektpartner sind neben dem MCB, die Stiftung Liebenau und die Hochschule Ravensburg-Weingarten, die BKK MTU sowie die BKK ZF.

Am Samstag, 29. Juni, gibt es bei einem Tag der offenen Tür zwischen 11 und 16 die Gelegenheit, GeriNoVe kennenzulernen.

Mehr Informationen zu GeriNove:
https://www.medizin-campus-bodensee.de/leistungen-angebote/medizinische-zentren/geriatrische-notfallversorgung-gerinove/